• Kathrin Thomann
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Wanderkarte zu Fuß um die Insel Rügen

Wanderprojekt


Die Idee, die Insel zu Fuß zu umwandern, entstand Anfang des Jahres 2017.

Die 1. Rügen Umrundung im Jahr 2017 ist nach 6 Etappen eingeschlafen.

Das Projekt, die Insel zu umrunden, wurde Anfang Januar 2023 wieder neu aufgenommen. Jeden Monat findet eine Wanderung statt.

Wer Lust hat mitzuwandern, melde sich bei mir unter der Praxisnummer! Ich freue mich auf jeden Wanderfreund !


Anmeldungen und Nachfragen jederzeit » hier  möglich !

"Auszug aus dem Wandertagebuch 2017"

(notiert von Kathrin Thomann)

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3. Etappe

27. Mai 2017 - Von Seebrücke zu Seebrücke (dritte Etappe)


Heute begleitet mich mein Sohn Malte.
Unser Etappenziel ist die Seebrücke in Sellin. Wir starten unsere Wanderung an der Seebrücke in Binz. Wir haben einen prächtigen Tag erwischt, strahlend blauer Himmel, Sonne satt!

Vorbei geht es an alten Seevillen rechter Hand in Richtung der ersten Landzunge: "Silvitzer Ort"! Schnell beginnt der Strand steinig zu werden. Angespülter Seetang zwischen riesigen Findlingen verleitet viele Strandbesucher mit langen Stöcken nach Bernsteinen zu suchen.

Nach wenigen Metern beginne ich mich zu ärgern, meine Wanderschuhe nicht mitgenommen zu haben. Denn nach und nach entpuppt sich der Strand als einziges weites steiniges Meer! Meine uralten abgelatschten Sandalen sind völlig ungeeignet. Nur noch vereinzelt begegnen wir jetzt Wanderern, bis wir völlig allein sind!

Von Stein zu Stein hüpfend legen wir Meter um Meter zurück. Es geht nur langsam vorwärts. Nach circa 1 Stunde taucht erstmals wieder eine einsame Wanderin auf, eine Frau mittleren Alters, nur bekleidet mit Shorts und einem weißem BH. Sie ist seit 3 Stunden, in Sellin gestartet, unterwegs. Der Anblick ihrer Füße macht mir Mut, auch sie trägt kein festes Schuhwerk.

Der Strand wird zu Maltes Vergnügen nun noch wilder. Große entwurzelte Baumriesen liegen quer zum Strand und ergeben herrliche Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Ich nehme meistens den Weg unter den Stämmen kriechend hindurch, immer darauf bedacht, nicht mit meinem Rucksack hängen zu bleiben und wissend, dass es nicht die eleganteste Art der Hindernisbewältigung ist. Wieviel anmutiger sieht es da doch bei Malte aus! Hinaufhangelnd an den Ästen, balancierend auf den Stämmen und furchlos hinunterspringend und trotz alledem noch an seinem Handy fummelnd, überquert er die Baumriesen.

Wieder begegnen uns zwei einsame Wanderer, diesmal ein älteres Ehepaar. Aufgeregt berichten sie, sie hätten eine große Schlange gesehen. Wir sollten aufpassen, da die warmen Steine diese geradezu einladen würden, ein Sonnenstündchen zu nehmen. Die beiden haben auch nur Sandalen an und sind um die Siebzig. Sie sind bereits seit 4 Stunden unterwegs, ebenfalls in Sellin aufgebrochen, und haben die Strecke völlig unterschätzt. Die Steilküste hinaufzuklettern, oben führt ein Hochuferweg die Küste entlang, wäre für sie ein hoffnunsloses Unterfangen gewesen. Etwas mitleidig schaue ich den Beiden hinterher, wie sie ebenfalls die leichtere Variante der Hindernisbewältigung bevorzugen, jedoch mit ungleich mehr Mühe als ich.

Noch nicht ganz am Granitzer Ort, einer großen Landzunge, angekommen, endlich ein schmaler Strand mit sandigem Streifen! Wir machen eine Pause. Schön ist es hier! Nicht weit von uns entfernt sehen wir ein Pärchen im Adamskostüm, das gerade ein Bad nimmt. Ansonsten ist es menschenleer hier. Die See ist ruhig, es weht es kaum ein Lüftchen.

Weil es so windstill ist, schwirren Scharen von Insekten um uns herum. Wir brechen auf und erreichen in wenigen Minuten den Granitzer Ort.

Die Landzunge Granitzer Ort liegt nun wie verwunschen da. Eine Schar schwarzer Vögel, die auf großen Findlingen im Meer sitzt, vertreiben wir durch unser Kommen. Schwäne, Enten – ein Vogelparadies. Und keine Menschenseele! Nur ein großer Ausflugsdampfer fährt in einiger Entfernung an uns vorbei. Ich möchte die Stille an diesem wundersamen Ort genießen, aber Malte sitzt auf einem Stein neben mir und schaut mit seinem Handy das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Der Reporter kommentiert lautstark das Fahrverhalten von Smudo von den Fantastischen 4, der am am Rennen teilnimmt.
Die Findlinge im Wasser sehen aus wie riesige versteinerte Seeigel, da sie sehr kunstvoll von den Vögeln strahlenförmig beschissen wurden. Malte schimpft plötzlich! Genau zwischen den beiden Seebädern Binz und Sellin scheint ein Funkloch zu sein. Der Empfang des 24-Stunden-Rennens ist gestört und verschwindet dann gänzlich.

Wir verlassen den Granitzer Ort und Malte hüpft nun schneller als zuvor von Stein zu Stein, um in den Empfangsbereich von Sellin zu kommen. Leicht und flink wie eine Gemse, den schaukelnden blauen Rucksack auf dem Rücken, verschwindet er mehr und mehr zwischen den Steinen. Ich kann ihm nicht mehr folgen. Die Sandalen beginnen nun wirklich, lästig zu werden. Ich knicke ständig um und durch die dünnen Sohlen spüre ich jeden Kiesel.

Hinter der Landzunge in der Ferne ist inzwischen die Selliner Seebrücke aufgetaucht und auch die Selliner Taucherglocke ist deutlich zu erkennen. Malte bietet mir tatsächlich heldenhaft den Tausch der Schuhe an. Die letzte Stunde unserer Wanderung laufe ich in zu großen Skater-Schuhen mit sehr komfortabler Gummisohle und Malte mit zu kleinen Damen-Sandalen, aus denen seine langen Zehen lustig herausschauen, den Strand entlang.

Auch auf dem letzten Strandabschnitt müssen wir immer wieder den Weg versprerrende Baumstämme überwinden. Der steinige Strand mündet erst wenige hundert Meter vor der Seebrücke in einen breiten Sandstrand, der natürlich an diesem sonnigen Tag von Sonnenhungrigen überhäuft ist.

Für die 6,5 km von Seebrücke zu Seebrücke benötigten wir circa 3 ½ Stunden. Zuletzt stiegen wir die unglaublich lange und steile Treppe vom Strand hinauf in den Ort Sellin. Der Lift war defekt. Wir hätten ihn eh nicht genommen. In der pompösen Wilhelmstraße belohnten wir uns mit einem Eis.

Die nächste Etappe wird von der Selliner Seebrücke nach Göhren führen, vorbei am einst legendären "Inselparadies", einer architektonischen Besonderheit, dem Hyparschalenbauwerk des Binzer Architekten Ulrich Müther.

(© notiert von Kathrin Thomann)